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GOLDEN TRASH & fallen angels
(1.6.-13.7.2012)

Neue Arbeiten von

Jenny Löbert, Mixed Media

Nathalie Noé Adam, Malerei

Carolin Koss, Fotografische Arbeiten/ Installation

Anastasia Coyto, Fotografische Arbeiten

Golden-Trash

Golden Trash, was bitte ist denn das? Na, das Beste aus der Trashabteilung, sagt jemand neben mir. Also ich kenne nur White Trash, entgegnet eine Andere, von Goldenem Abschaum habe ich noch nie etwas gehört !
Weißer Abschaum, dieser ursprünglich ziemlich abwertende Begriff, um Mitglieder der weißen Unterschicht in den USA zu brandmarken, wird mitlerweile - gerade in der Subkultur – ganz genüßlich in den Mund genommen. Der Begriff klingt aufregend, nach Abenteuer, Unangepaßtheit, Aufstand und Zügellosigkeit. Teenager love, voll bedröhnt … im Wohnmobil, das ist der Livestyl, den dieser Begriff meint. Der amerikanische Sänger Willy DeVille hat auf seinem Album Loup Garou mit dem Lied White Trash Girl eigentlich alles zum Thema gesagt.
pfeil Songtext
Jetzt wissen wir also was ein white trash girl ist ! Doch wie ist das mit den Goldenen ? Klar, sofort springt uns nun die Sitcom Golden Girls in den Kopf, diese verschwörerische Weiberbande aus Miami, deren Schandmaul vor keinem Tabuthema halt machte, Sozialkritik, Homosexualität, AIDS oder Sterbehilfe, ihr beinharter Witz hatte Glamour ! Darum räumten die Golden Girls zwischen 1986 und 1993 auch insgesamt 35 Auszeichnungen ab : Golden Globes, Emmys und sogar ein Bambi war dabei.
Ein Bambi wird es in der Galerie SU DE COUCOU nicht zu sehen geben, dafür aber einen Einohrfuchs, fröhliche Schwimmtiere, einsame Sessel, gruppendynamische Tempel, knallbunte Horrorkinder und gegen den Strich gebürstete Verführung. Denn die vier ausstellenden Künstlerinnen, your new Golden Girls, fallen nicht auf die Oberfläche der Bedeutung unseres geflügelten Wortes hinein. Oh, Golden Trash ! Die Ausstellung ist keineswegs eine goldige Fürsprache für das wertvolle Wiederverwenden von Ehemaligem, nein, nur nicht ! Nathalie Noé Adam, Anastasia Cyoto, Carolin Koss und Jenny Löbert haben es faustdick hinter den Ohren und gehen weiter … Recyceln, aufwerten, aus Scheiße Gold machen, das kann doch jeder ! Diese Künstlerinnen aber setzen sich tiefschürfender auseinander, mit Gütern und ihrem Wert. Warenwart und wahre Werte, Schönheit, amour fou, Grenzen und ihre Übertretung … Golden Trash and fallen angels, das erinnert an einen Crash ! Hier trifft Wertvolles auf scheinbar Wertloses und verbindet sich zu einem Abenteuerspielplatz der Kunst.
Wir betreten die Installation GOLDEN TRASH von Carolin Koss in unserem Untergeschoss und staunen : Da verneigen sich Erde, Gras, Baum und Stein vor aufblasbaren Objekten, die ihrem Sinn davonlaufen. Ein Pool mit wirklichem Wasser und ein Schwimmer, gebannt auf Zelluloid, vereinen sich zu einem gemeinsamen Horizont. Und Upstairs knallt in den Fotoarbeiten der Künstlerin Urbanität, Natur, Datenüberfluss und Datenzerstörung so unvermittelt und dennoch wirklich aufeinander, dass es uns schwindelt. Wie geht denn das von Statten? Die analoge Natur des Fotos wird durch die digitale Maschinerie geschleudert und wiedergekäut. Unter, über und zwischen dem Bild kommt die Verletzlichkeit und Materie des Mediums in Form von Pixel- & Farbansammlungen zum Vorschein und droht mit der Auflösung des Bildinhalts. Doch die Charaktere und Objekte halten Stand und  gehen nicht nur eine Coexistienz mit der virtuelle Zwischenwelt ein, sondern beginnen in ihr zu leben und sich neu zu erfinden.
Nathalie Noé Adam zeigt uns leere mysteriöse Räume in denen geisterhafte Möbelstücke zum Verweilen animieren. Dann, wir glauben es kaum treffen wir auf die blutige Jacke Michael Jacksons, die vor unseren Augen davonzuschweben scheint. Wir wenden den Blick und geraten in ein Powhow von Tempelminiaturen, schöner geht es kaum noch, zart und farbintensiv scheinen die glamourträchtigen Gebäude miteinander zu plaudern.
Jenny Löberts Arbeiten strotzen vor Ironie und dem Wunsch Vorborgenes aufzudecken. Biester und verletzliche Wesen in Acryl gemalt tanzen dem Betrachter auf der Nase herum, ohne zu fragen, sind einfach da. Nimm mich mit, ich bin eine kandierte Süßigkeit flüstern sie und haben dennoch Biss. Jenny Löbert verwendet als Bildträger neben traditioneller Leinwand auch ehemalige Plakatwände, die schon vom Wetter gegerbt wurden, das ist Golden Trash pur.

Anastasia Coyto studiert in Granada an der Technischen Hochschulle Grafikdesign und in Almería dann künstleriche Photographie. Das Ergebniss kann sich sehen lassen, Stadt und Land, Drinnen und Draußen, Vintage und Zeitgeist fließen hier ineinander, befruchten sich. Collagetechnik trifft Handabzug und Beide stürzen ins digitale Zeitalter. Schwarzweiß, harte Kontraste, sinnlich freche Motive mit dem Anspruch auf Einmaligkeit.

Was wir uns wünschen von Ihnen, sind ist Luftmatratzen, aufblasbare Bälle, Schwimmringe, Schwimmflügel und exotische Tiere für unseren Pool !

Bienvenue !
Ihre Lena Braun

 

Do 7.6.2011, 19-23h
First Thursday, Rundgang durch das kreative Neukölln
15./16.6.2011, 19-1h
48 Stunden Neukölln, Zwei Performanceabende mit Hauke Lanz, Coco Alber, Die Lust! & Kinestesia, Katie Conxita, Barbara Berti, Roman Showers, Karina Villa Vicencio u.a.
Do 5. 7.2011, 19-23h
First Thursday, Rundgang durch das kreative Neukölln
Do 12.7.2011, 19h
Finissage

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Jenny Löbert, Mixed Media

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Nathalie Noé Adam, Malerei

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Carolin Koss, Fotografische Arbeiten/ Installation

Carolin Koss, Fotografische Arbeiten/ Installation Exponate zurück zur Ausstellung
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Anastasia Coyto, Fotografische Arbeiten

Anastasia Coyto, Fotografische Arbeiten Exponate zurück zur Ausstellung
pfeil Pressefotos
pfeil Fotos von der Vernissage