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FOLLOW ME
6.9.-19.10.2012

Aki Suzuki, Fotografische Arbeiten

Kirsten Jahn, Objekte

Florian Förster, Mixed Media/ Malerei

Joanna Szproch, Fotografische Arbeiten

Music and Performance Barbies Fitness by Katie Conxita

-  Intermezzo by The Ladies of Tralalka

- Studio-Performance by Kitty Wild & Joanna Szproch

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Follow Me - In der viktorianischen Literatur des 19. Jahrhunderts treffen Abenteurer auf Sammler, Schlaflose auf Träumende, Mystiker auf Aufklärer, die Naive auf das Monster und Realisten auf Wahnsinnige. Während die Welt um die Romanhelden herum immer gründlicher erforscht zu werden scheint, verlieren sie sich in den Abgründen ihrer Leidenschaften und Phantasien und verschmelzen mit ihren Antagonisten. Hinter dem unschuldig Handarbeiten anzufertigen vorgebenden Mädchen lauert die kalkulierende Mörderin, die sich am Ende als emotional anfälliger herausstellt als die angesichts jedes Veilchens in entzückte Schreie ausbrechende Unschuld. Die Romanheldinnen und –helden schlafen, solange sie nicht von den Bösewichten unter Drogen gesetzt wurden, fest und tief. Die angeblichen Antihelden leiden unter Schlaflosigkeit, und wenn sie endlich doch schlafen, werden sie von Albträumen heimgesucht, von Ahnungen kommender Katastrophen, von Parallelwelten und assoziativen Imaginationen. Der Wachzustand der Helden wie ihrer Gegner jedoch vereint sie unvermeidlich am hortus conclusus, wo in irgendeinem Flügel des Familiensitzes der fragile und dennoch nicht sterben wollende Erbonkel lauert, der jedem unerwünschten Besucher seine skurrilen Schaukästen durch einen vertrauten Domestiken präsentieren lässt. Der viktorianische Sammler, dem endlich die ganze Welt offen zustehen scheint, sammelt ihm albtraumhaft Erscheinendes, Objekte, die die Welt aus der Bahn zu heben scheinen, eben weil sie möglich und nicht vollkommen unmöglich sind. Ihre Obszönität und ihr Skandal-Potential resultieren aus der Nachvollziehbarkeit ihrer Existenz und gerade nicht einer absoluten Unvorstellbarkeit. Das Erschrecken der Romanfiguren an ihnen resultiert aus der Nähe zu ihren erwartbaren Erfahrungen, zu den Ängsten ihrer Kindheit, zu den abschweifenden Gedanken im Handarbeitsraum, im Raucherzimmer, angesichts der zunehmend rationalisierten und maschinierten Welt, die Schlaf und Träume als bloße Verschwendung oder nur notwendige Rekreation für die Warenproduktion zu betrachten bereit gemacht worden ist. Im Zeitalter der Reprise der Gothic Novel, in der Ära Sigmund Freuds, im Umfeld der Erkenntnis, dass es es ein sich ausdehnendes Weltall gibt, eine Abstammung der Arten, einer sehr frühen Ahnung des Scheiterns der Aufklärung und des aktionistischem Marxismus deutet sich bereits an, dass die Masse nicht ohne eine Erklärung des Individuums denkbar sein kann. Nicht ohne die seltsamen Gewebe aus Kinderreimen und Wiegenliedern, nicht ohne die Rückzugsorte erzwungener weiblicher Pseudokreativität, nicht ohne die notwendig ornamentalen Rahmungen und Verzierungen des dem nach wie vor der weiblichen Sphäre zugeschriebenen Dilettantismus oder Laientums. Wie absurd aber diese Zuordnung ist, bewiesen bereits im 19. Jahrhundert Autorinnen wie beispielsweise George Eliot und diverse Künstlerinnen, die das angeblich bloß Ornamentale und Verzierende als das ausstellten, was es wirklich war: Der Ausdruck des Erwünschten vor dem tatsächlich bloß Erforderten. Der Moment, in dem Schlaf unbedingt gebändigt werden muss und nicht mehr als Brutstätte von ausufernden Wünschen oder Angst vor allzu annehmbaren Desastern, oder als Ahnung von Verlust von Sehnsucht gelten darf. Derzeit sollen Schlaf und Traum hilfreich sein; unzählige Ratgeber dienen ausschließlich seiner Verwertung. Schlaf als letztes nicht zu verwertendes Refugium soll ausgedient haben, und der Traum bloß der Weiterentwicklung verwertbarer Einfälle und Kreativität dienen.

Follow Me - Die Nähe des Traums aber zur Wirklichkeit, der er nur völlig unverwertbare und interpretationsfreie Bilder hinzufügt, der ihn die Grenzen zwischen Kindheit, Adoleszens und Alter aufheben lässt, zwischen allen Dimensionen, und der ihn trotzdem an die Existenz des Träumenden bindet, schafft eine unverwertbare Parallelwelt, die in jedem Raum ihre Berechtigung und ihren angemessenen Wahn repräsentiert: Im Handarbeitszimmer wie im Raucherraum... Zwischen Spitzenhäkelei und Regression, zwischen Zigarren und Sophisterei, zwischen Rückzug und Demagogie lauert nach wie vor das subtil verbrämte albtraumhafte Dasein und mag von seinem nach wie vor seltsam aufklärerischen Gestus nicht lassen.

Do 6.10.2012, 18-22h ?Galerierundgang First Thursday

Finissage, Do 18.10.2012, 19h

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Aki Suzuki, Photografische Arbeiten

  Die japanische Künstlerin Aki Suzuki ist ebenfalls eine Neuberlinerin und überrascht uns mit einer Serie, die komplett anders ist, als die... Weiterlesen...
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Kirsten Jahn, Mixed Media

Die Mixed Media Arbeiten My wondrously nightmarish mind – Breeding Space, Sleep, come to me now and Tide Machinery von Kirsten Jahn lassen sich nur... Weiterlesen...
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Für „ Follow Me“ zeige ich Fragmente aus einer Serie von Collagen, die sich auf den menschlichen Körper und Sexualität konzentrieren und beide in... Weiterlesen...
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Joanna Szproch, Fotografische Arbeiten/ Live-Studio

  Die polnische Künstlerin Joanna Szproch wohnt erst seit wenigen Wochen in Berlin und doch zeigt die Galerie SU DE COUCOU ihre Arbeiten schon... Weiterlesen...
noname Foto Aktion Joanna Szproch
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