Vernissage, Do., 29. September 2011, 19h
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KERNSPALTUNG Immortal yearning Neue Arbeiten von: Brigitte Schröter - Fotografische Arbeiten, Paris (F) Ines von Sassen - Malerei, Collage, Berlin (DE) Joanna Szproch - Fotografische Arbeiten, Warschau (PL) Die Künstlerinnen sind anwesend. Vernissage 29.9.2011, 19h Music by Cindy Wonderful Immortal yearning, dieser Schrei, er ist leicht kitschig: “The Longing for eternity“, aber er ist evident. Wir können ihn wegwünschen, wegdenken und doch taucht er wieder auf, schnellt hoch wie ein clowneskes Stehaufmännchen, das eine kurze Zeit lang eben mal in der Seitenlage war. Immortal yearning ist eine Ausstellung über das Verschwindung und Wiederauftauchen und um diesen Bruchteil einer Sekunde Schwebezustand dazwischen. Es ist kein Zwischen-den-Stühlen-Sein, sondern die unsichtbare Brücke zwischen zwei Teilen, zwischen ja und nein, entweder oder. Scheinbar gibt es sie, die beiden Pole: Licht und Schatten, gut und böse, fern und nah. Wir behaupten aber, das das verborgene und oft übertünchte Dazwischen das Eigentliche ist. Ines von Sassen, Joanna Szproch und Brigitte Schröter machen das, und auch die Verwundung darüber, sichtbar.
Immortal yearning - Die drei Künstlerinnen thematisieren die Unschuld dieses unmenschlich menschlichen Wunsches. Der Schein des Schönen und seine Dekonstruktion, trügerische Idyllen. Leicht und flüchtig, hingehauchte Momente, strotzend vor Poesie, einer Poesie, die sich aus dem tiefen See der Melancholie speist. Allen Werken gemeinsam ist eine gewisse Selbstversunkenheit, die aber bei näherem Hinsehen keineswegs etwas Passives hat. Die Ausstellung „Immortal Yearning“ zeigt Melancholie und Schönheit als schützende Schilder, ja Waffen. Unser tastendes Auge dringt nicht durch. Keine Frau, kein Mädchen, kein Kind wird hier Opfer. Davor schützt bei allen Drei der atmosphärische Filter, durchtränkt mit Unausgesprochenem und einer Rückkehr zur Stille. Räume, Situationen, Stimmungen, das unnahbare Verlangen nach kindlicher Unbedingtheit. Den Kern verletzen? Den Kern spalten? Der Mythos der Unverletzlichkeit durchzieht die Menschheitsgeschichte, Achill wird in ein Bad getaucht, das ihn unverletzlich machen soll, zufällig gerät ein Blatt an seine Ferse und sein Plan geht fehl. Immer spürt irgendwer irgendwo die „verletzliche“ Stelle auf. Das offensichtliche und vor aller Augen Entlarven und Aufdecken ist fast eine sportliche Leistung geworden. Schwachstellen bloßzulegen ist im Zeitalter der Globalisierung usus und die darin enthaltene Grausamkeit, politische Gepflogenheit. Immortal Yearning, Frauen und Kinder, die ihrem Verlangen nach Melancholie frönen und dadurch Unabhängigkeit erlangen, ja, unabhängig vom Betrachter existieren. Die Bilder befriedigen unsere Schaulust, doch sie verstören auch, und dann entsteht am Kreuzpunkt von Lust und Schmerz, Erkenntnis.
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