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Fortunas Horn

Neue Arbeiten von

Dagmar Welz

und

Kristina Sommerfeld

(19.8.-23.9.2011)

Performance Timon Jansen - Music by Katie Conixa

Werden jemandem "Hörner aufgesetzt" so bedeutet das umgangssprachlich: jemandem untreu sein, die Redewendung und auch die dazugehörige Geste der „gehörnten Hand“ gibt es schon seit der Antike und in fast allen europäischen Sprachen. Hörner tragen Ochsen, Ziegen, Steinböcke. Forscher behaupten, dass mit dem Spruch das Tierkreiszeichen des Steinbocks gemeint ist, denn Frauen, die unter diesem Sternzeichen geboren wurden, sagte man nach, dass sie besonders zu Seitensprüngen zu neigen. Andere Wissenschaftler behaupten, dass die Herkunft der Redensart mit den Kapaunen zusammenhängt: Kastrierten Hähnen wurden oft die Sporen abgeschnitten und zur Kennzeichnung in den Kamm gesetzt. Dort wuchsen sie interessanterweise weiter und wirkten dann auf dem Kopf des Tieres wie Hörner.

Sich die Hörner abzustoßen, nun das ist meist mit mehr Spaß verbunden, obwohl es sprachlich grausamer klingt. Erfahrungen sammeln; sich austoben ... man findet in unserem kulturellen Kontext Sprüche wie: Mit 30 hat man normalerweise seinen Platz in der Gesellschaft gefunden und sich die ersten Hörner abgestoßen. Doch gilt all das auch für Fortunas Horn?
Das Horn der Fortuna ist ein mythologisches Symbol des Glückes. Es ist gefüllt mit Blumen und Früchten und steht für Reichtum und Überfluss. Man nimmt an, dass dieses Füllhorn eigentlich gar kein Horn war, sondern der tütenförmig geformte Flechtkorb, den man zur Weinlese nahm.

Nicht weit von uns steht das Fortunaportal - oder das was davon noch übrig blieb, nach einem Bombenangriff. Es steht in der Innenstadt Potsdams auf dem Alten Markt, am Fuße der Sankt-Nikolai-Kirche und wurde 1701 von dem holländischen Architekten Jean de Bodt als Eingangstor zum damaligen Schloss entworfen. Vom ursprünglichen Fortunaportal konnten nur wenige Teile gerettet werden, doch dazu gehört der steinerne Kopf der Minerva – der römischen Göttin der schönen Künste und des Gewerbes. Die Rekonstruktion der aus dünnem Kupfer getriebenen und vergoldeten Fortuna war möglich, da es historische Aufnahmen des ursprünglichen Portals gibt. Ursprünglich rahmten vier Plastiken den Kuppelaufsatz und über all diesem balancierte die Göttin auf einer Kugel. Fortuna stellte den politischen Balanceakt zwischen der Wandelbarkeit des Irdischen und der Sphäre des Göttlichen, der Ethik und der zeitlosen Werte dar. Ohne eine mutige, zupackende und gleichzeitig wohlüberlegte Politik ist keine öffentliche Wohlfahrt möglich, wobei für die Wohlfahrt das Füllhorn der Fortuna steht.

Die vier Skulpturen des Fortunaportals sind mit hoher Wahrscheinlichkeit von den zwei damals berühmten Künstlern, Guillaume Hulot (1660–1722) und René Charpentier (1680–1723) umgesetzt worden und Dagmar Welz und Kristina Sommerfeld wagen Ähnliches. In der Ausstellung FORTUNAS HORN geht es um Konsequenz und Wiederholung, um Heimat und Verlust, um das Wiedererkennen und Wiederauftauchen immer gleicher Strukturen in Kunst und Gesellschaft.

Dagmar Welz studierte in Dortmund und Berlin, Kristina Sommerfeld beendete soeben ihr Studium in unserer Metropole und siedelt im Anschluß an die Ausstellung nach Paris über, um dort ein weiterführendes Studium zu beginnen. Wir installieren für Sie in unseren Galerieräumen eine Welt aus geheimen und altbekannten Strukturen, in die Sie eintauchen können. Um zu Vergessen oder um Wiederzuerkennen, was war oder sein sollte.
FortunasHorn
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Kristina Sommerfeld

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Dagmar Welz

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